Paddeln auf dem Rhein –  mal anders (juergen)

Im Laufe der vergangenen Jahre wichen wir aufgrund der vergleichsweise geringen Niederschläge zunehmend auf den Rhein als Paddelrevier aus. Seither haben sich  unterschiedliche Möglichkeiten eingebürgert, die unmittelbare Umgebung unseres Bootshauses mit dem Kajak zu erkunden.  Die Trainingsrunde „um die Insel“, die die Nutzung eines KfZ überflüssig macht, hat in vielfältigen Varianten längst einen festen Platz im Repertoire gefunden.  Einziger Nachteil dabei ist der eingeschränkte Aktionsradius.

Für Pfingstsonntag planten drei Paddlerinnen aus der Seekajakgruppe ein Projekt zur Erweiterung dieses Horizonts. Ab neun Uhr morgens sollte rheinauf gepaddelt werden, so weit man kommen werde.
Ein männliches Mitglied aus der Gruppe wurde unter der Bedingung zugelassen, dass er die anderen nicht nerve.

Foto: Susanne Mester

Bei sonnigem Wetter, niedrigem Pegel und angenehmen Temperaturen startete die aus drei Paddlerinnen bestehende Projektgruppe mit standesgemäßer Verzögerung vom Kiesstrandvor dem Bootshaus in Richtung Süden. Ein einzelner Paddler folgte in gebührendem Abstand etwa 40 Minuten später. Der Wind wehte nur schwach, im Hafen wurde lediglich ein Schiff beladen, und die Zahl der Jetski-Piloten  und Motorboote hielt sich dank der frühen Stunde noch in Grenzen.    Ein einzelner Angler hinter der Nordbrücke liess sich leicht umschiffen und die Untiefen zwischen den Kribben konnte man gut erkennen.  Immer wieder richtete der einzelne Paddler den Blick gen Süden, konnte aber keine dreiköpfige Gruppe erkennen.  Offenbar kam das Projekt gut voran. Obwohl, in Höhe des Chinaschiffs bewegte sich etwas rheinaufwärts.
Nach einer Querung auf die Beueler Seite wird der Sandstrand vor einem bekannten Ausflugslokal unterhalb der Kennedybrücke nach ca. 50 Minuten erreicht.
Bis zur Rheinnixe passiert  wenig – stetes Paddeln bringt Boot und Passagier weiter. Plötzlich blubbert in ca. 50 Metern Entfernung ein Schiffsdiesel los und blauer Qualm dringt aus dem Auspuff. Aber davon lassen wir uns nicht mehr beeindrucken. Unbeirrt wird die Rheinnixe auf dem Weg zur Südbrücke passiert.
An einigen, knapp überspülten, weit in den Fluß ragenden Kiesbänken wird der Vortrieb merklich gebremst, aber bald ist auch dieses Hindernis überwunden.
Am Foto: Susanne MesterSteg des Unibootshauses kreischt Metall, ein paar Ruderboote tauchen auf. Aber das Projekt ist auch nahe eines weiteren, bekannten Ausflugslokals in Beuel nicht zu sehen. Am Ufer sind sie nicht, die drei Punkte da vorne entpuppen sich als Kormorane, die auf Steinen der „Beueler Platte“ hocken. Beim DLRG herrscht gähnende Leere, am Ufer sind die letzten Läufer unterwegs und der Radweg füllt sich. Rechtsrheinisch, südlich des Posttowers hupt in der Fahrrinne ein Frachtschiff. Sollte das ein Hinweis auf den Standort des Projekts sein ? Außer zwei Ruderbooten ist niemand auf dem Wasser zu sehen. Die Gelegenheit ist trotzdem günstig, um die Seite zu queren. Tatsächlich, unter Südbrücke bewegt sich etwas, was drei Paddlerinnen sein könnten. Natürlich sind die drei längst wieder außer Sicht, als der einzelne, männliche Paddler die – ziemlich flache – Stelle erreicht. Von oben kommen mehrere Kajaks entgegen – nein, das sind sie nicht. Schade eigentlich. Also weiter rheinaufwärts pullen,  den Blick auf das Siebengebirge gerichtet . Die Uhr zeigt mit einem Piepen an, dass bisher 9 km zurück
gelegt wurden.  Es fühlt sich nach deutlich mehr an. Aber da vorne, im Sonnenlicht, das müssen sie sein – es fehlt vielleicht noch ein knapper

Foto: Susanne Mester

Kilometer in der flachen, lang gezogenen Kurve auf der Godesberger Seite.  Jetzt biegen sie ab, in Richtung Ufer, um eine Pause einzulegen – die hat auch der einzelne, nachfolgende Paddler dringend nötig.
Unter den staunenden Blicken zahlreicher Radler werden die Boote entladen, es wird eine  ufernahe Wiese besetzt und die pralle Paddler-Pausen-Kultur zur Entfaltung gebracht. Jeder hat etwas zu Essen oder zu Trinken dabei – fast jeder. Aber niemand muss darben, denn People on the river are happy to give. Nach einer längeren Pause wird das Tagesziel verhandelt. Endpunkt soll eine Eisdiele in Oberkassel nahe der Niederdollendorfer Fähre sein. Eine weitere Querung und eine runde halbe Stunde später haben wir unser Ziel erreicht.

Foto: Susanne MesterAm Sandstrand haben wir uns mit unseren Seekajaks rasch Platz geschaffen, ziehen uns aber bald  in den Schatten zurück. Inzwischen ist es ziemlich warm geworden. Ob das leichte Brennen in diversen Muskeln zwischen Hüfte und Schultern von der Sonne oder der rheinaufwärts gepaddelten Strecke herrührt, bleibt offen. Das Eis schmeckt auf jeden Fall ebenso gut wie vor Corona. Selbstverständlich halten wir während der Pause auf unserem Schattenplatz genügend Abstand voneinander, was zur Folge hat, dass man unsere Gespräche noch 10 Meter weiter gut verstehen kann.

Derart gestärkt treten wir den Rückweg rheinabwärts zum Bootshaus an. An der Rohmühle machen wir die flüchtige Bekanntschaft einer Jetskigruppe, die vor der Ufermauer selfies produziert.  Sollte ich jemals erwachsen werden, möchte ich auch so ein Teil haben.  Der Frachter vor der Südbrücke ankerte  vorhin auch schon,  dort, von der Beueler Seite nahe eines bekannten Ausflugslokal dringt Techno herüber. Nahe der Kennedybrücke quert kurz vor uns die Rheinnixe – das hatten wir doch vorhin schon. Unsere Seekajaks gleiten mit einem Schnitt jenseits der 10 km/h mühelos rheinabwärts. Ohne uns auf der letzten Etappe rheinab überanstrengt zu haben, erreichen wir nach rund 75 Minuten gegen 15.45 Uhr den Strand vor dem Bootshaus. Im Rahmen dieser Tour haben wir rund 24 km zurück gelegt, ohne ein KfZ bewegen zu müssen, hatten Spass und waren sportlich aktiv. Das behaupten jedenfalls diverse Muskelgruppen.

Foto: Susanne Mester

Wir sind uns einig:  d a s  müssen wir unbedingt wiederholen.
juergen